Definition & Co.: Was ist Citizen Science?

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Arbeitsdefinition Citizen Science

Bisher existiert keine allgemein akzeptierte Definition von Citizen Science. Sowohl in der wissenschaftlichen als auch der ehrenamtlichen Community existieren eine Vielzahl von Begriffen, Perspektiven und Aktitivitäten, die sich teilweise thematisch überschneiden. Wir zitieren an dieser Stelle die Definition aus dem Grünbuch Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland:
"In Deutschland wird der Begriff „Citizen Science“ (Bürgerwissenschaft) zunehmend verwendet, um sowohl die lange Tradition des bürgerlichen Engagements für die Wissenschaft als auch die vielen neuen Formate der Teilhabe an der Forschung zu beschreiben. Während der angloamerikanische Ansatz von Citizen Science meist die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern bei der Datenerhebung in der Umweltforschung hervorhebt, ist das Verständnis in Deutschland breiter. Citizen Science umfasst die aktive Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern in verschiedenen Phasen des Forschungsprozesses in den Geistes-, Natur- und Sozialwissenschaften. Die Beteiligung reicht von der Generierung von Fragestellungen, der Entwicklung eines Forschungsprojekts über Datenerhebung und wissenschaftliche Auswertung bis hin zur Kommunikation der Forschungsergebnisse. Dabei kann sich die Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen und institutionell ungebundenen Personen sehr unterschiedlich gestalten, von völlig eigeninitiierten „freien“ Projekten über eine transdisziplinär organisierte Zusammenarbeit bis hin zur Anleitung durch wissenschaftliche Einrichtungen. Gemeinsames Ziel aller Citizen-Science-Projekte ist das Schaff en neuen Wissens. Hierbei wird an Forschungsfragen gearbeitet, deren Beantwortung ein Erkenntnisgewinn für die Wissenschaft sowie oft auch für Praxis und Politik mit sich bringt. Citizen Science ist ein Ansatz, in dem hauptamtliche und ehrenamtliche Expertinnen bzw. Experten auf Augenhöhe voneinander und miteinander lernen können. Dabei entstehen Rahmenbedingungen, von denen alle Beteiligten profi tieren."[2]

Bürger und Bürgerinnen in der Wissenschaft - ein kurzer geschichtlicher Abriss

Hier Mitarbeit erwünscht.


Begrifflichkeiten im Umfeld von Citizen Science und verwandte Gebiete

Im Rahmen von Citizen Science gibt es eine Reihe von Begrifflichkeiten, die die gemeinsame Forschung zwischen institutionell angebundenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und anderen Akteuren beschreibt, mit jeweils anderen Schwerpunkten und aus anderen Perspektiven beschrieben (siehe Tabelle ).

Bitte bereinigen: Thematische Überschneidung mit Definition: Welche Definitionen und verwandten Begriffe gibt es zu Citizen Science?

Verschiedene Begrifflichkeiten um Citizen Science

Begriff

Bedeutung

Quellen und Beispiele

Citizen Science

Citizen Science beschreibt die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an wissenschaftlichen Prozessen, ausgehend von der Entwicklung der Fragestellung über die Erhebung von Daten bis zur Auswertung und Interpretation. Im anglo-amerikanischen Raum wird laut Oxford Dictionary insbesondere die Datenerhebung durch Freiwillige darunter gefasst.

Bonney et at, 2009a[3]

Bonney et al, 2009b[4]

McCallie et al, 2009[5]

Citizen Science proper/light Finke. 2014, 2015

siehe auch Irwin

Extreme Citizen Science

Der Begriff Extreme Citizen Science wurde geprägt, um die aktive und selbstbestimmte Rolle von Bürgerinnen und Bürger über die Datenerhebung hinaus im Forschungsprozess deutlich zu machen.

Haklay, 2013[6]

Civic Science

Da die Rolle des Bürgers / der Bürgerin in Citizen Science sehr diffus gefasst ist, sprechen einige Autor_innen von civic science.

Pettibone et al. in prep.;

Boyte, 2014[7]

Community science

Der Begriff Community Science wurde v.a. in den USA geprägt und bezieht sich oft auf lokale Gemeinschaften, die beispielsweise Umweltbelastungen oder Biodiversität in ihrer Umgebung erfassen.

Conrad, Hilchey, 2011[8]

Sayce et al, 2012[9]

Bürgerforschung

Bürgerforschung ist zwar die wörtliche Übersetzung von Citizen Science, aber hier schwingt eine andere Konnotation mit, nämlich die der selbstbestimmten Vereine und Fachgesellschaften, die eine lange Tradition in eigenen Forschungsaktivitäten aufweisen.

Ehrenamtliche Forschung

Ehrenamtliche Forschung ist der Begriff, der  vor allem für forschungsunterstützende Aktivitäten insbesondere im Bereich der Datenerhebung verwendet wird.

Geske, Jünemann, 2013[10]

Deutscher Rat für Landespflege[11]

[www.biologischevielfalt.de/fileadmin/NBS/documents/Dialogforen/DF_Ehrenamt/Blab_DRL.pdf Deutscher Rat für Landespflege][12]

Partizipative Forschung

Partizipative Forschung drückt die Beteiligung von verschiedenen Gruppen am Forschungsprozess aus und kann als Oberbegriff gesehen werden.

Wright, 2013[13]

Crowd sourcing / crowd science

Mit crowd-sourcing wird die massenhafte digitale Beteiligung von Personen an Forschungsprojekten beschrieben, insbesondere im Bereich der Datenerhebung und der Auswertung (z.B. Musterkennung)

Curtotti et al, 2014[14]

Franzoni, Sauermann, 2014[15]

Bücheler, Sieg, 2011[16]

Transdisziplinäre Wissenschaft

Transdisziplinäre Wissenschaft beschreibt die Einbeziehung nicht nur unterschiedlicher Disziplinen in den Forschungsprozess, sondern auch die von verschiedenen Anspruchsgruppen (stakeholdern)

Jahn et al, 2008[17]

Modus 2 Wissenschaft

Modus 2 Wissenschaft wurde als Begriff in den 80zigern geprägt und schlägt – ähnlich der transdisziplinären Forschung – Wege und Methoden vor, verschiedene gesellschaftliche Gruppen stärker in Forschungsprozesse einzubinden.

post-normale Wissenschaft

Ausgehend von der Risikotheorie wird eine Wissenschaft vorgeschlagen, die heuristisch unter der Einbindung auch nicht institutionell verankerter Wissenschaft vorzugehen.

Funtowicz, Ravetz,1993[18]Ravetz, 2006[19]

Responsible Research and Innovation (RRI)

Der Ansatz der verantwortungsvollen Forschung und Innovation greift den Beitrag von Bürgerinnen und Bürgern konzeptionell sowohl im ethischen als auch im anwendungsorientierten Bereich auf.

Horizon 2020: Responsible Research and Innovation[20]

(CONSIDER, 2015)

Fachgesellschaften

In Fachgesellschaften, die sich quasi in allen Disziplinen gebildet haben, arbeiten typischerweise professionelle Wissenschaftler_innen mit Personen zusammen, die sich eine große Expertise erarbeitet haben, aber ihr Auskommen anderweitig sichern.

Röller, 2015[21]

Science 2.0

Science 2.0 beschreibt die zunehmende Interaktivität des Internets.

https://www.leibniz-science20.de/

Bücheler, Sieg, 2011 [16]

Co-Creation / Co-Design

Der Begriff der Co-Creation wird insbesondere im europäischen Kontext verwendet, um die gemeinsame Entwicklung (und Durchführung) von Forschungsprojekten zwischen Wissenschaftler_innen und anderen Akteuren zu beschreiben.

Co-Production

Co-Production beschreibt die gemeinsame Produktherstellung, beispielsweise Datensätze.

FabLabs / offene Werkstätten

FabLabs ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus Fabrikations-Laboren. Dahinter verbergen sich Werkstätten, wo mit konventionellen und/oder digitalen Methoden Objekte und Geräte entwickelt und produziert werden, oft in der Zusammenarbeit zwischen Institutionen und freien Gruppen.

DIY

DIY heißt erstmal nur Do-it-yourself und umfasst auch viele Aktivitäten jenseits der Forschung.

DIYBio /BioHacking

DIYBio ist ein spezieller Zweig der Do-it-yourself Bewegung, bei der sich Privatpersonen oft mit hochwertigen Equipment ausgerüstet biologischen Fragestellungen widmen.

Charisius et al, 2013[22]

Schmidt et al, 2013[23]

Seyfried et al, 2014[24]

Reallabore

Reallabore werden als live-Experimente in einer sich im Umbruch befindlichen Gesellschaft betrachtet. online III.]

Open innovation

Franzoni et al, 2014[15]

Bücheler, Sieg, 2011[16]

Quellen

  1. Schneidewind, U. (2014): Urbane Reallabore -ein Blick in die aktuelle Forschungswerkstatt.
  2. Bonn, A., Richter, A., Vohland, K., Pettibone, L., Brandt, M., Feldmann, R., Goebel, C., Grefe, C., Hecker, S., Hennen,
    L., Hofer, H., Kiefer, S., Klotz, S., Kluttig, T., Krause, J., Küsel, K., Liedtke, C., Mahla, A., Neumeier, V., Premke-
    Kraus, M., Rillig, M. C., Röller, O., Schäffler, L., Schmalzbauer, B., Schneidewind, U., Schumann, A., Settele, J.,
    Tochtermann, K., Tockner, K., Vogel, J., Volkmann, W., von Unger, H., Walter, D., Weisskopf, M., Wirth, C., Witt, T.,
    Wolst, D. & D. Ziegler (2016): Grünbuch Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland. Helmholtz-Zentrum für
    Umweltforschung (UFZ), Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig,
    Leipzig, Museum für Naturkunde Berlin, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung (MfN),
    Berlin-Brandenburgisches Institut für Biodiversitätsforschung (BBIB), Berlin.
  3. Bonney,R., Ballard, H., Jordan, R., McCallie, E., Phillips, T., Shirk, J., Wilderman, C.C., (2009a): Public Participation in Scientific Research: Defining the Field and Assessing Its Potential for Informal Science Education. Report,A.C.I.G. (Ed.). Center for Advancement of Informal Science Education (CAISE),Washington, D.C: S.1-58.
  4. Bonney, R., Cooper, C.B., Dickinson, J., Kelling, S., Phillips, T., Rosenberg, K.V., Shirk, J. (2009b): Citizen Science: A Developing Tool for Expanding Science Knowledge and Scientific Literacy. BioScience 59, S.977.
  5. McCallie,E., Bell, L., Lohwater, T., Falk, J.H., Lehr, J.L., Lewenstein, B.V., Needham, C., Wiehe, B., (2009): Many Experts, Many Audiences: Public Engagement withScience and Informal Science Education. Center for Advancement of Informal Science Education (CAISE) Washington, D.C: S. 1-83.
  6. Haklay, M., (2013): Citizen Science and Volunteered Geographic Information – overview and typology of participation. Sui, D.Z., Elwood, S., Goodchild, M.F. (Eds.), Crowdsourcing Geographic Knowledge: Volunteered Geographic Information (VGI) in Theory and Practice Springer, Berlin: S.105-122.
  7. Boyte, H., (2014) Civic Science -- Renewing the link between science and democracy. Huffington Post.
  8. Conrad,C.C., Hilchey, K.G. (2011): A review of citizen science and community-based environmental monitoring: issues and opportunities. Environ Monit Assess 176: S.273-291
  9. Sayce, K., Shuman, C., Connor, D., Reisewitz, A., Pope, E., Miller-Henson, M., Poncelet, E., Monié, D., Owens, B. (2012): Beyond traditional stakeholder engagement: Public participation roles in California’s statewide marine protected area planning process. Ocean and Coastal Management doi:10.1016/j.ocecoaman.2012.06.012.
  10. Geske, C., Jünemann, M. (2013): Das Hirschkäferbeobachtungsnetz in Hessen. Ehrenamtliche Datensammlung und Öffentlichkeitsarbeit für eine FHH Art. Natur und Landschaft 88: S.453.
  11. Deutscher Rat für Landespflege (2011):Perspektiven für die ehremamtliche wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Biobiversität - Datensammlung, Transfer und Nutzung für die wissenschaftliche und praktische Anwendung. http://www.landespflege.de/aktuelles/ehrenamt/DRL-ZusammThes.pdf
  12. Deutscher Rat für Landespflege (2011):Perspektiven für die ehrenamtliche wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der Biodiversität – Datensammlung, Transfer und
    Nutzung für die wissenschaftliche und praktische Anwendung. www.biologischevielfalt.de/fileadmin/NBS/documents/Dialogforen/DF_Ehrenamt/Blab_DRL.pdf
  13. Wright, M.T. (2013): Was ist Partizipative Gesundheitsforschung? Positionspapier der International Collaboration for Participatory Health Research. Präventive Gesundheitsforschung 8: S.122-131.
  14. Curtotti, M., Weibel, W., CMcCreath, E., Ceynowa, N., Frug, S., Bruce, T. (2014): Citizen Science for Citizen Access to Law.
  15. 15,0 15,1 Franzoni, C., Sauermann, H. (2014): Crowd science: The organization of scientific research in open collaborative projects. Research Policy 43: S.1- 20.
  16. 16,0 16,1 16,2 Bücheler, T., Sieg, J.H. (2011): Understanding Science 2.0: Crowdsourcing and Open Innovation in the Scientific Method. Procedia Computer Science 7: S.327-329.
  17. Jahn, T.,Bergmann, M., Keil, F. (2008): Transdisciplinarity: Between mainstreaming and marginalization. Ecological Economics 79, S.1-10.
  18. Funtowicz, S.O., Ravetz, J.R. (1993): Science for the post-normal age. Futures 25, S.735-755.
  19. Ravetz, J.R. (2006): Post-Normal Science and the complexity of transitions towards sustainability. Ecological Complexity 3, S.275-284.
  20. Horizon 2020: Responsible Research and Innovation.
  21. Röller, O. (2015): Citizen Science. Neue Möglichkeiten für Naturforschung und Naturschutz in Deutschland. Pollichia e.V.
  22. Charisius, H., Karberg, S., Friebe, R. (2013): Biohacking. Gentechnik aus der Garage. Carl Hanser Verlag München.
  23. Schmidt, M., Meyer, A., Cserer, A. (2013): The Bio:Fiction film festival: Sensing how a debate about synthetic biology might evolve. Public Understanding of Science 0: S.1-17.
  24. Seyfried,G., Pei, L., Schmidt, M. (2014) European do-it-yourself (DIY) biology: Beyond the hope, hype and horror. Bioessays 36, 548-551.

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