Förderung: Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

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Dieser Text stammt zum Teil aus "GEWISS Auftaktveranstaltung Dialogforen Citizen Science in Leipzig 17./18.09.2014.
GEWISS Bericht Nr. 3." und
GEWISS Dialogforum: Forschungsförderung für Citizen Science. GEWISS Bericht Nr. 7.

Überblick

Citizen Science Projekte und Initiativen entstehen sehr oft ohne finanzielle Förderung durch Dritte und basieren auf Eigeninitiative. Wachsen Umfang und Bedeutung der Initiativen, und rücken der wissenschaftliche und gesellschaftliche Mehrwert in den Fordergrund, reichen diese Ressourcen zur Zielerreichung nicht aus. Zunehmend werden Citizen Science Projekte im Rahmen von öffentlicher finanzierter Forschung oder von privat finanzierter Forschung und Wirtschaft finanziell unterstützt. Vielfach treten Hybridformen der Förderung auf. Unzureichende Fördermöglichkeiten, kurze Förderlaufzeiten sowie hohe Einstiegshürden für Förderprozesse sind momentane Herausforderungen für die Etablierung von Citizen Science als wissenschaftlicher Ansatz.

Existierende Förderwege

Aktuell existieren unterschiedliche Wege, um Citizen Science-Projekte zu finanzieren[1][2].

  • Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Die umfassendsten Förderungen für große Projekte werden von staatlichen Drittmittelgebern wie z.B. DFG und BMBF ermöglicht. Diese Fördergeber fördern durch ihre Statuten allerdings vorwiegend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in etablierten Forschungsinstituten, und Citizen Science wird bisher nicht ausdrücklich gefördert. Eine Förderrichtlinie zu Citizen Science durch das BMBF ist in Vorbereitung. In EU Projekten, vor allem im Horizon 2020 Programm, wird die Beteiligung von Bürgerinnen udn Bürgern ausdrücklich erwünscht. Stiftungen wie die [www.dbu.de Deutsche Bundesstiftung Umwelt] haben Citizen Science kürzlich in ihre Förderrichtlinien aufgenommen.
  • Für Privatpersonen und Verbände: Stiftungen bieten finanzielle Förderungen für Projekte an. Verbände und Vereine nutzen außerdem Mitgliedsbeiträge und Spenden, wobei diese aber meist nicht ausreichend sind. Mehr und mehr sind Verbände und kleine Unternehmen in einigen EU Projekten oder auch einigen BMBF Projekten antragsfähig, oft allerdings mit der Bedingung von substantieller finanzieller Eigenbeteiligung. Eine Antragsstellung erfordert jedoch häufig sowohl enormes institutionelles Wissen als auch personelle Kapazitäten, welche besonders kleinen Projekten nicht zur Verfügung stehen und somit starke Hürden darstellen. Oft müssen auch umfangreiche (Daten)Recherchen zur Planung der Projekte durchgeführt werden, die oft nicht (vor)finanziert werden können. Auch die Gewährung von unkomplizierter Förderung durch Kleinbeträge (z.B. Raummiete) ist für kleine Projekte oft kritisch.
  • In Österreich: Das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) in Österreich hat in 2015 eine neue Förderlinie "Sparkling Science" geöffnet, hauptsächlich für Citizen Science-Projekte in Schulen.

Nächste Schritte

Hürden bei der Antragstellung sollten gesenkt werden. Hier gibt es mehrere Lösungsansätze. Zur Ergänzung der bereits existierenden Fördermöglichkeiten ist es wünschenswert, eine Finanzierung auch für Projekte, die von außerwissenschaftlichen Institutionen wie NGOs oder Fachgesellschaften initiiert werden, zu ermöglichen. Weiterhin ist eine Förderung als Pilotfinanzierung für die gemeinsame Entwicklung eines Projektes und evtl. Vorarbeiten oder Datenrecherche erstrebenswert. Zusätzlich sollten Gelder im Projektverlauf auch einfacher auf andere Personen verteilbar sein (z.B. Aufwandentschädigung für Bürger, Finanzierung des Verbandpartners, der wiederum Gelder an Mitwirkende weitergibt). Crowdfunding gilt als weitere Option für kleine Projekte.

Hilfreich wäre, wenn alle Finanzierungsmöglichkeiten, inklusive der betreffenden Ansprechpartner, auf einer Website zusammengestellt werden könnten. Um die Qualität solcher Bürgerprojekte zu gewährleisten, werden unabhängige Beratungs- oder Koordinationsstellen zur Unterstützung bei der Planung, Vernetzung, Evaluation und Durchführung des Projektes vorgeschlagen. Auch Universitäten und Kommunen sollten Gelder, Räumlichkeiten und Arbeitsmaterialien bereitstellen, um Citizen Science-Projekte zu unterstützen. Dies muss institutionell und auch politisch erwünscht und unterstützt werden.[1]

Handlungsoptionen

Folgende Handlungsoptionen werden im Grünbuch Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland vorgeschlagen

  • Konzeption von Förderinstrumenten bzw. -kriterien speziell für Citizen Science Projekte und Initiativen
  • Öffnung bestehender Forschungsprogramme für Citizen Science Ansätze und Etablierung integrativer Handlungsstränge in bestehenden Forschungsaktivitäten
  • Förderung von Citizen Science Koordinatorinnen und Koordinatoren sowie Kommunikatorinnen und Kommunikatoren in Fachgesellschaften, Vereinen oder wissenschaftlichen Einrichtungen
  • Etablierung von eigenständigen, niedrigschwelligen Förderformaten, die unabhängig von institutionalisierten Förderungen, eine Finanzierung bürgerinitiierter Projekte ermöglichen
  • Schaffung von Möglichkeiten der Anschub- und Anschlussfinanzierung für Citizen Science Projekte oder Aspekte (Scoping Phasen; Etablierungsphasen)
  • Einrichtung von Koordinations- und Informationsstellen für Citizen Science zur Umsetzung von Weiterbildung und personelle Unterstützung für Citizen Science Anträge sowohl für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als auch für Akteure aus der Gesellschaft

Quellen

  1. 1,0 1,1 Richter, A., Pettibone, L., Rettberg, W., Ziegler, D., Kröger, I., Tischer, K., Hecker, S., Vohland, K. &
    Bonn, A. (2015): GEWISS Auftaktveranstaltung Dialogforen Citizen Science in Leipzig 17./18.09.2014.
    GEWISS Bericht Nr. 3. Deutsches Zentrum für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-
    Leipzig, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, Leipzig; Berlin-Brandenburgisches Institut
    für Biodiversitätsforschung (BBIB), Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und
    Biodiversitätsforschung – MfN, Berlin. Online verfügbar unter http://buergerschaffenwissen.de/sites/default/files/assets/dokumente/gewiss_bericht3_auftakt-2.pdf
  2. Pettibone, D., Ziegler, D., Richter, A., Hecker, S., Bonn, A. & Vohland, K. (2015) GEWISS Dialogforum: Forschungsförderung für Citizen Science. GEWISS Bericht Nr. 7. Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ, Leipzig; Deutsches Zentrum für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig, Berlin-Brandenburgisches Institut für Biodiversitätsforschung (BBIB), Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung - MfN, Berlin.

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